Wenn die Tage kürzer werden und der Herbst langsam Einzug hält, beginnt für viele Menschen auch wieder die Zeit der Erkältungen. Husten, Schnupfen und andere Atemwegsinfekte gehören für manche beinahe selbstverständlich zu den kommenden Monaten. Andere haben das Gefühl, von einem Infekt in den nächsten zu geraten oder nach einer Erkrankung lange nicht wieder richtig auf die Beine zu kommen.
Doch warum sind manche Menschen deutlich infektanfälliger als andere? Und können wir schon etwas tun, bevor der erste Infekt da ist?
Gerade September und Oktober sind eine gute Zeit, den Blick auf die eigene Abwehr zu richten und den Organismus auf die kommenden Monate vorzubereiten.
Unser Immunsystem – weit mehr als eine einfache Schutzmauer
Unser Immunsystem ist kein einzelnes Organ. Es ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Organe, Gewebe, Zellen und Botenstoffe. Auch unsere Schleimhäute und der Darm mit seinem Mikrobiom spielen dabei eine wichtige Rolle.
Ich vergleiche unser Immunsystem gerne mit einer Schutzmauer: Eine stabile Mauer kann äußeren Einflüssen besser begegnen. Wird sie jedoch an vielen Stellen gleichzeitig beansprucht, kann ihre Widerstandsfähigkeit nachlassen.
Und genau deshalb lohnt es sich aus meiner Sicht, bei häufigen Infekten nicht ausschließlich auf den jeweiligen Krankheitserreger zu schauen.
Was beeinflusst unsere Abwehr?
Wie gut unser Organismus mit den Herausforderungen der Erkältungszeit zurechtkommt, hängt von vielen Faktoren ab.
Ausreichender und erholsamer Schlaf, eine nährstoffreiche Ernährung, Bewegung, genügend Flüssigkeit und Zeiten der Regeneration schaffen wichtige Voraussetzungen. Dauerhafter Stress, Schlafmangel und eine unausgewogene Ernährung können den Organismus dagegen zusätzlich beanspruchen.
Für mich bedeutet Infektprophylaxe daher nicht, im Herbst einfach ein paar vermeintliche „Immunbooster“ einzunehmen.
Viel interessanter ist die Frage:
Was braucht dieser Mensch, damit seine eigene Regulations- und Abwehrfähigkeit möglichst gut arbeiten kann?
Wenn Infekte immer wiederkommen
Wer gelegentlich erkältet ist, braucht deshalb natürlich nicht automatisch eine umfangreiche Diagnostik.
Wenn Infekte jedoch sehr häufig auftreten, ungewöhnlich lange anhalten oder der Körper zwischen den einzelnen Erkrankungen kaum noch richtig zur Ruhe kommt, kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen.
In meiner Naturheilpraxis betrachte ich deshalb zunächst die individuelle Situation. Neben der Krankheitsgeschichte können unter anderem Ernährung, Verdauung und Darmgesundheit, Schleimhäute, Stressbelastung, Schlaf und Regeneration sowie die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen eine Rolle spielen.
Je nach Situation können ergänzend Laboruntersuchungen aus Blut, Stuhl oder Urin sinnvoll sein. Bestimmte Mikronährstoffe wie beispielsweise Vitamin D, Zink oder Selen lassen sich im Blut untersuchen.
Ergänzend arbeite ich in meiner Praxis mit dem Bioscan, den ich zur orientierenden Betrachtung verschiedener Bereiche wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren einsetze. Er ersetzt dabei keine labormedizinische Untersuchung.
Der Darm gehört für mich mit dazu
Ein großer Teil unseres Immunsystems steht in enger Verbindung mit dem Darm. Deshalb kann es insbesondere bei wiederkehrenden Infekten sinnvoll sein, auch diesen Bereich mit einzubeziehen.
Bei Bedarf kann eine Stuhluntersuchung weitere Informationen liefern.
Eine Darmsanierung ist für mich jedoch keine pauschale Standardmaßnahme für jeden Menschen. Ob und in welcher Form sie sinnvoll sein könnte, richtet sich nach der individuellen Situation.
Naturheilkundliche Möglichkeiten individuell auswählen
Auch bei der Behandlung gibt es für mich nicht die eine Infektprophylaxe für alle.
Je nach Ausgangssituation arbeite ich mit unterschiedlichen naturheilkundlichen Verfahren. Dazu gehören beispielsweise Akupunktur und Ohrakupunktur, Homöopathie, Phytotherapie und Heilpilze sowie die gezielte Unterstützung mit Mikronährstoffen, Aminosäuren und mitotropen Substanzen.
Auch Schröpfen kann Bestandteil einer Behandlung sein. Beim wandernden Schröpfen arbeite ich unter anderem entlang des Blasenmeridians am Rücken. In der Traditionellen Chinesischen Medizin stehen die dort gelegenen Punkte in Beziehung zu verschiedenen Funktionskreisen und inneren Organen.
Bei Bedarf kombiniere ich außerdem Homöopathie und Akupunktur miteinander.
Welche dieser Möglichkeiten überhaupt in Betracht kommt, entscheidet sich nicht anhand einer fertigen „Winterkur“, sondern nach dem Menschen, der vor mir sitzt.
Und was ist mit Kindern?
Gerade Familien kennen das: Kaum beginnt Kindergarten oder Schule nach den Sommerferien wieder, scheint ein Infekt den nächsten abzulösen.
Auch bei Kindern kann es deshalb sinnvoll sein, die Gesamtsituation anzuschauen – insbesondere dann, wenn Infekte sehr häufig auftreten oder die Erholungsphasen dazwischen kurz sind.
Dabei gilt für mich besonders: so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Alter, Entwicklung, bisherige Krankheitsgeschichte und die individuelle Situation des Kindes bestimmen, welche Unterstützung überhaupt sinnvoll sein kann.
Auch Ernährung, Schlaf, Bewegung, Erholung und ein gesunder Alltag gehören hier für mich selbstverständlich dazu.
Infektprophylaxe bedeutet nicht: nie wieder erkältet
Unser Immunsystem soll uns nicht in eine keimfreie Blase versetzen. Der Kontakt mit Viren, Bakterien und anderen Mikroorganismen gehört zu unserem Leben.
Auch eine gute Vorbereitung auf Herbst und Winter kann deshalb nicht garantieren, dass wir keinen Infekt bekommen.
Das Ziel ist ein anderes: den Organismus möglichst gut in seiner eigenen Regulations- und Abwehrfähigkeit zu unterstützen – mit dem Wunsch, Infekte möglichst seltener zu erleben, Erkrankungen besser bewältigen zu können und anschließend wieder gut in die eigene Kraft zurückzufinden.
Und dafür müssen wir nicht warten, bis die erste Erkältung da ist.
September und Oktober – eine gute Zeit, um anzufangen
In einem meiner früheren Vorträge zur Infektprophylaxe habe ich einen Vergleich verwendet, den ich auch heute noch sehr passend finde:
Im Herbst denken viele Menschen daran, ihr Auto winterfest zu machen. Reifen, Batterie, Licht und Frostschutz werden überprüft, bevor der Winter tatsächlich da ist.
Warum sollten wir mit uns selbst immer erst warten, bis etwas nicht mehr funktioniert?
Vielleicht ist der beginnende Herbst deshalb eine schöne Erinnerung daran, auch einmal bei sich selbst hinzuschauen:
Was tut mir gut? Was kostet mich Kraft? Und was kann ich meinem Körper geben, damit er möglichst gut durch die kommenden Monate kommt?
Wenn du häufig unter Infekten leidest oder dich gezielt auf Herbst und Winter vorbereiten möchtest, können wir gemeinsam schauen, welche Unterstützung für dich persönlich sinnvoll sein könnte.
Mehr über eine individuelle Begleitung in meiner Naturheilpraxis und meine Kontaktmöglichkeiten findest du hier.
Von Herzen
Nathalie · Ninaân

