Du schläfst ausreichend, versuchst, dich zu schonen, und nimmst dir vielleicht ganz bewusst Pausen. Trotzdem wachst du morgens auf und fühlst dich, als hätte dein Körper über Nacht kaum neue Kraft gesammelt.
Schon Kleinigkeiten sind dir zu viel. Das Ausräumen der Spülmaschine führt dazu, dass du dich anschließend zwei Stunden hinlegen musst. Nach zwanzig Treppenstufen brauchst du einen Mittagsschlaf. Ein kurzer Einkauf fühlt sich an wie eine kaum zu bewältigende Aufgabe.
Und dabei sprechen wir keineswegs nur von alten oder schwer kranken Menschen. Auch junge Menschen können ihre gewohnte körperliche und geistige Belastbarkeit nahezu vollständig verlieren.
Viele Betroffene hören dann Sätze wie: „Du musst dich einfach mehr bewegen“, „Du brauchst nur einmal richtig Urlaub“ oder „Ihre Untersuchungen sind doch alle unauffällig.“
Doch wenn Ruhe nicht mehr erholsam ist und schon geringe Belastungen die vorhandene Energie vollständig aufbrauchen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Erschöpfung ist mehr als Müdigkeit
Müdigkeit kennen wir alle. Nach einem langen Tag oder einer kurzen Nacht signalisiert der Körper, dass er Schlaf und Erholung benötigt. Meist fühlen wir uns danach wieder kräftiger.
Anhaltende Erschöpfung kann sich ganz anders anfühlen. Manche Menschen beschreiben eine tiefe körperliche Kraftlosigkeit. Andere erleben vor allem geistige Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, innerlich nur noch zu funktionieren.
Hinzu können beispielsweise kommen:
- eine ungewöhnlich geringe Belastbarkeit
- lange Erholungszeiten nach kleinen Anstrengungen
- Schlaf, der keine wirkliche Erholung bringt
- Muskelbeschwerden oder Muskelschwäche
- Kopfschmerzen oder Schwindel
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- eine erhöhte Reizempfindlichkeit
- eine immer geringere Stresstoleranz
- das Gefühl, den eigenen Alltag kaum noch bewältigen zu können
Auch der Begriff Burnout wird häufig verwendet. Medizinisch beschreibt er die Folgen von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt werden konnte. Tiefe Erschöpfung kann jedoch ebenso mit familiärer Überlastung, dauernden Sorgen, einer Erkrankung, hormonellen Veränderungen, chronischen Entzündungen oder mehreren Belastungen gleichzeitig zusammenhängen.
Ein Begriff allein erklärt daher noch nicht, was im einzelnen Menschen geschehen ist.
Wenn der Körper lange über seine Grenzen gegangen ist
Unser Körper verfügt über erstaunliche Möglichkeiten, Belastungen auszugleichen. Dafür benötigt er jedoch Zeiten, in denen seine Regenerations- und Reparaturprozesse wirklich Raum bekommen.
Wer über Monate oder Jahre unter Anspannung steht, schläft vielleicht, kommt innerlich aber trotzdem nicht zur Ruhe. Das Nervensystem bleibt in Bereitschaft, die Gedanken kreisen weiter und der Organismus erhält immer wieder das Signal, funktionieren zu müssen.
Viele Menschen nehmen die Warnzeichen ihres Körpers zunächst kaum wahr. Sie sind leistungsfähig, übernehmen Verantwortung und machen weiter. Müdigkeit wird übergangen, Pausen werden verschoben und die eigenen Grenzen immer wieder ein Stück weiter ausgedehnt.
Irgendwann kann ein Punkt erreicht sein, an dem ein Wochenende oder ein Urlaub nicht mehr ausreicht. Der Körper lässt sich nicht mehr dazu bewegen, einfach weiterzumachen.
Das bedeutet nicht, dass die Erschöpfung „nur psychisch“ ist. Körperliche und seelische Vorgänge lassen sich nicht voneinander trennen. Dauerhafter Stress beeinflusst unter anderem Schlaf, Hormonsystem, Immunsystem, Entzündungsprozesse, Verdauung und Stoffwechsel. Umgekehrt können körperliche Veränderungen die seelische Belastbarkeit deutlich verringern.
Deshalb ist für mich immer der ganze Mensch wichtig: Was hat der Erschöpfung vorausgegangen? Welche Belastungen bestehen weiterhin? Was raubt Kraft? Was verhindert wirkliche Regeneration? Und gibt es körperliche Ursachen, die bisher noch nicht erkannt wurden?
Mitochondrien – die Kraftwerke unserer Zellen
Bei anhaltender Erschöpfung kann auch der Energiestoffwechsel unserer Zellen eine Rolle spielen. Einen wesentlichen Anteil daran haben die Mitochondrien. Sie werden häufig als Kraftwerke der Zellen bezeichnet.
In ihnen entsteht aus Nährstoffen und Sauerstoff ein großer Teil des ATP. Dieses Molekül stellt Energie für nahezu alle Vorgänge im Körper bereit: für Muskelarbeit, Nervenleitung, Stoffwechselprozesse, Reparaturvorgänge und die Arbeit unserer Organe.
Besonders energiebedürftige Gewebe wie Gehirn, Herz und Muskulatur besitzen entsprechend viele Mitochondrien. Wenn die zelluläre Energiebereitstellung beeinträchtigt ist, können sich deshalb sehr unterschiedliche Beschwerden zeigen.
Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder Muskelschwäche beweisen jedoch noch keine mitochondriale Störung. Diese Beschwerden können viele verschiedene Ursachen haben.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen seltenen, meist genetisch bedingten mitochondrialen Erkrankungen und erworbenen Veränderungen der mitochondrialen Funktion. Erbliche Mitochondriopathien gehören in eine fachärztliche Diagnostik und Behandlung.
Wenn in der naturheilkundlichen Medizin von mitochondrialer Dysfunktion oder einer Belastung der Mitochondrien gesprochen wird, sind damit in der Regel mögliche Veränderungen des zellulären Energiestoffwechsels gemeint. Diese können unter anderem im Zusammenhang mit länger anhaltendem Stress, Infektionen, Entzündungen, Nährstoffmängeln oder anderen Erkrankungen auftreten.
Auch bei ME/CFS und Long COVID werden Veränderungen des Energie- und Zellstoffwechsels erforscht. Die bisherigen Erkenntnisse erlauben jedoch nicht, jede anhaltende Erschöpfung automatisch mit einer mitochondrialen Dysfunktion zu erklären.
Die Mitochondrien können ein Teil des Bildes sein – aber selten das ganze Bild.
Oxidativer Stress als Teil des Geschehens
Bei der Energiegewinnung entstehen reaktive Sauerstoffverbindungen, die oft vereinfacht als freie Radikale bezeichnet werden. Sie sind nicht grundsätzlich schädlich. Der Körper benötigt sie unter anderem für bestimmte Signalvorgänge und für die Abwehr von Krankheitserregern.
Gleichzeitig verfügt unser Organismus über eigene Schutz- und Reparatursysteme. Dazu gehören verschiedene Enzyme und Antioxidantien, die ein Übermaß an reaktiven Sauerstoffverbindungen begrenzen.
Solange zwischen beiden Seiten ein ausgewogenes Verhältnis besteht, gehören diese Vorgänge zu unserem normalen Stoffwechsel.
Von oxidativem Stress sprechen wir, wenn dieses Gleichgewicht über längere Zeit verschoben ist und die vorhandenen Schutzsysteme nicht mehr ausreichend gegenhalten können. Dann können unter anderem Fette, Eiweiße, Zellmembranen und Erbsubstanz beeinträchtigt werden.
Auch die Mitochondrien selbst können davon betroffen sein. Da in ihnen ein wesentlicher Teil unserer Energie erzeugt wird und dabei zugleich reaktive Sauerstoffverbindungen entstehen, kann sich ein ungünstiger Kreislauf entwickeln: Belastete Mitochondrien arbeiten möglicherweise weniger effizient, während das oxidative Geschehen weiter zunimmt.
Zu einer solchen Verschiebung können beispielsweise Rauchen, Alkohol, Infektionen, chronische Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen, Schlafmangel, eine einseitige Ernährung und lang anhaltender Stress beitragen.
Doch auch hier gilt: Freie Radikale sind keine Feinde, die vollständig beseitigt werden sollten. Entscheidend ist das Gleichgewicht.
Nicht jede Erschöpfung beginnt in den Mitochondrien
Anhaltende Erschöpfung ist ein unspezifisches Symptom. Bevor sie mit Burnout, oxidativem Stress oder einer mitochondrialen Dysfunktion erklärt wird, sollten andere mögliche Ursachen bedacht und gegebenenfalls medizinisch abgeklärt werden.
Dazu können unter anderem gehören:
- Blutarmut oder Eisenmangel
- Schilddrüsenfunktionsstörungen
- Störungen des Blutzuckerstoffwechsels
- Schlafstörungen oder Schlafapnoe
- Infektionen und deren Nachwirkungen
- chronische Entzündungen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- hormonelle Veränderungen
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Depressionen und andere seelische Erkrankungen
- Long COVID
- ME/CFS
Eine seelische Ursache sollte dabei ebenso wenig vorschnell ausgeschlossen werden wie eine körperliche. Umgekehrt darf Erschöpfung nicht einfach ausschließlich psychisch erklärt werden, nur weil übliche Untersuchungen keine eindeutige Ursache ergeben haben.
„Meine Untersuchungen sind unauffällig, trotzdem stimmt etwas nicht“ ist ein Satz, den viele Betroffene kennen. Ein unauffälliger Standardbefund bedeutet nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Er bedeutet zunächst nur, dass mit den bisher vorgenommenen Untersuchungen keine eindeutige Erklärung gefunden wurde.
ME/CFS ist nicht dasselbe wie Burnout
Burnout, ein allgemeines Erschöpfungssyndrom und ME/CFS dürfen nicht gleichgesetzt werden, auch wenn sich einzelne Beschwerden ähneln können.
Ein wichtiger Hinweis auf ME/CFS ist die sogenannte postexertionelle Malaise, kurz PEM. Damit ist eine deutliche Verschlechterung nach körperlicher, geistiger, emotionaler oder auch sensorischer Belastung gemeint. Sie kann unmittelbar auftreten, zeigt sich jedoch häufig erst Stunden später und kann über Tage oder noch länger anhalten.
In einer solchen Situation kann bereits ein gut gemeinter Rat zu mehr Bewegung schaden. Ein Trainingsprogramm mit festgelegten Steigerungen ist dann nicht geeignet. Die Belastung muss sehr sorgfältig am individuellen Energierahmen ausgerichtet werden.
Das gilt auch für Yoga, Atemübungen und andere vermeintlich sanfte Verfahren. Was für einen Menschen wohltuend ist, kann für einen anderen bereits zu viel sein.
Am Anfang steht das genaue Hinschauen
In meiner Praxis beginnt die Begleitung mit einer ausführlichen Anamnese.
Seit wann fehlt die Kraft? Kam die Erschöpfung plötzlich oder schleichend? Gab es zuvor eine Infektion, eine Operation, eine seelische Krise oder eine lange Phase der Überforderung? Wie erholsam ist der Schlaf wirklich? Was geschieht nach körperlicher oder geistiger Belastung? Welche weiteren Beschwerden bestehen? Welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel werden eingenommen?
Vorhandene ärztliche Befunde und Laborwerte beziehe ich in meine Betrachtung ein. Je nach persönlicher Situation können weitere Untersuchungen sinnvoll sein.
Bei länger anhaltender Erschöpfung kann ich außerdem ein Urin-Screening in einem spezialisierten Labor empfehlen. Solche Untersuchungen können Hinweise auf bestimmte Stoffwechselvorgänge und mögliche Belastungen des Energiestoffwechsels geben.
Dabei ist mir wichtig: Ein Screening liefert keine fertige Diagnose. Es ist ein Ausgangspunkt, von dem aus wir gezielter weiterschauen können. Abhängig vom Ergebnis können weitere Untersuchungen sinnvoll werden.
Ich arbeite nicht nach dem Prinzip „möglichst viele Werte“, sondern so gezielt wie möglich. Diagnostik sollte eine konkrete Frage beantworten. Und nicht jeder auffällige Wert ist automatisch die Ursache aller Beschwerden.
Die Behandlung muss zum Menschen passen
Wenn sich Hinweise auf eine Belastung des Energie- und Zellstoffwechsels ergeben, entsteht daraus keine Behandlung nach einem festen Schema.
Je nach Befund und persönlicher Situation können Nahrungsergänzungsmittel beziehungsweise mitotrope Substanzen eingesetzt werden. Damit sind Stoffe gemeint, die den mitochondrialen Energiestoffwechsel unterstützen sollen. Welche Substanzen sinnvoll sein könnten, muss individuell entschieden werden.
Auch Akupunktur, Ernährungsanpassungen, die Begleitung von Stoffwechsel- oder Verdauungsprozessen sowie weitere naturheilkundliche Möglichkeiten können Teil der Behandlung sein.
Ebenso wichtig ist die Bewusstseinsarbeit. Viele erschöpfte Menschen haben über lange Zeit ihre körperlichen und seelischen Grenzen übergangen. Manchmal wurden die Signale zwar wahrgenommen, aber nicht ernst genommen. Manchmal ist der Kontakt zum eigenen Körper beinahe vollständig verloren gegangen.
Auf dem Weg zurück kann es deshalb notwendig sein, die eigenen Grenzen überhaupt erst wieder kennenzulernen, sie anzunehmen und schließlich auch einzuhalten.
Dabei orientiere ich die Behandlung an den körperlichen und finanziellen Möglichkeiten des Patienten. Ein Mensch, der bereits vollkommen erschöpft ist, sollte nicht auch noch durch ein umfangreiches Therapieprogramm überfordert werden.
Manchmal ist weniger zunächst mehr. Die einzelnen Schritte dürfen aufeinander aufbauen.
Auch ich kenne diese Erschöpfung
Ich kenne diese Form der Erschöpfung auch aus meinem eigenen Leben.
Als meine Tochter fünf oder sechs Jahre alt war, stürzte ich mich voller Energie in meine Ausbildung und die Prüfung zur Heilpraktikerin. Ich lernte, arbeitete, kümmerte mich um meine Familie und konzentrierte mich auf mein Ziel.
Nach der erfolgreich bestandenen Prüfung war ich plötzlich vollkommen leer. Schon kleine körperliche Anstrengungen wie Fahrradfahren erschöpften mich vollständig.
Mein Weg zurück führte über eine eigene Labordiagnostik, die Einnahme mitotroper Substanzen und intensive Bewusstseinsarbeit. Trotzdem ging es nicht schnell. Es dauerte etwa ein bis zwei Jahre, bis ich mich wieder zunehmend belastbar fühlte.
Diese Erfahrung hat meinen Blick auf erschöpfte Menschen geprägt. Ich weiß, wie groß die Not sein kann. Und ich weiß, wie schwer es ist, Geduld zu haben, wenn man sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich wieder am eigenen Leben teilnehmen zu können.
Gleichzeitig habe ich erfahren, dass Genesung möglich sein kann – Schritt für Schritt und im eigenen Tempo.
Mein persönlicher Weg lässt sich selbstverständlich nicht einfach auf einen anderen Menschen übertragen. Aber er hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, körperliche Befunde, Lebenssituation, seelische Belastungen und den Umgang mit den eigenen Grenzen gemeinsam zu betrachten.
Bewegung braucht bei Erschöpfung ein anderes Maß
Bewegung kann den Weg zurück zur Kraft unterstützen. Bei ausgeprägter Erschöpfung bedeutet Bewegung jedoch nicht automatisch Sport, wie wir ihn aus dem Fitnessstudio oder dem Schulunterricht kennen.
Für einen Menschen kann es bereits eine ausreichende körperliche Aktivität sein, langsam einmal um das Haus zu gehen. Für einen anderen sind es wenige Treppenstufen oder einige behutsame Bewegungen in der Wohnung.
Entscheidend ist nicht, wie gering dies von außen erscheinen mag. Entscheidend ist, wo die individuelle Belastungsgrenze liegt und wie der Körper auf die Bewegung reagiert.
Als Orientierung kann es bei bestimmten Formen der Erschöpfung sinnvoll sein, unterhalb der persönlichen anaeroben beziehungsweise Laktatschwelle zu bleiben. Noch wichtiger ist jedoch die tatsächliche Reaktion des Körpers. Besonders bei ME/CFS kann auch eine vermeintlich leichte Belastung bereits zu viel sein.
Dann geht es nicht darum, jeden Tag ein wenig mehr zu schaffen. Es geht darum, den eigenen Energierahmen kennenzulernen und die Aktivität so einzuteilen, dass der Körper nicht immer wieder überfordert wird.
Yin Yoga, Atemarbeit und Meditation als Begleitung
Sanftes, individuell angepasstes Yoga kann eine wertvolle Begleitung sein. Besonders Yin Yoga ermöglicht Bewegung ohne Leistungsdruck.
Die Haltungen können an die vorhandene Kraft angepasst oder teilweise im Liegen ausgeführt werden. Der Körper wird sanft bewegt und gedehnt. Je nach Haltung können zudem bestimmte Meridiane angesprochen, stimuliert oder entspannt werden.
Gleichzeitig fördert die ruhige Praxis die Wahrnehmung des eigenen Körpers: Wie fühlt sich eine Haltung heute an? Wo entsteht Anspannung? Wann wird aus einem wohltuenden Reiz eine Belastung? Wo liegt meine Grenze?
Auch Atemarbeit und Meditation können helfen, die Aufmerksamkeit wieder nach innen zu richten. Dabei dürfen nicht nur körperliche Empfindungen wahrgenommen werden. Auch Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse und innere Antreiber können allmählich ins Bewusstsein kommen.
Gerade Menschen, die vor ihrer Erschöpfung lange sehr aktiv waren, haben häufig verlernt, die feinen Signale ihres Körpers wahrzunehmen. Manchmal wurde das eigene Leben über lange Zeit von Pflichten, Erwartungen und dem Gefühl bestimmt, immer weiter funktionieren zu müssen.
Sanftes Yoga kann dabei unterstützen, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen. In manchen Fällen ist eine individuelle yogatherapeutische Begleitung im Einzeltermin sinnvoller als die Teilnahme an einer Gruppe.
Auch Yin Yoga ist jedoch kein pauschales Bewegungsprogramm. Jede Übung muss zur augenblicklichen Kraft und Belastbarkeit des einzelnen Menschen passen.
Der Weg zurück braucht manchmal Zeit
Wenn die Erschöpfung groß ist, wünschen sich die meisten Menschen eine schnelle Lösung. Das ist vollkommen verständlich. Wer kaum noch seinen Alltag bewältigen kann, möchte nicht hören, dass Genesung Geduld benötigt.
Trotzdem gehört auch diese Ehrlichkeit für mich zu einer verantwortungsvollen Begleitung.
Der Körper ist kein leerer Akku, der nur an die richtige Steckdose angeschlossen werden muss. Oft haben sich Belastungen über Monate oder Jahre aufgebaut. Stoffwechsel, Nervensystem, Schlaf, körperliche Reserven und seelisches Erleben beeinflussen sich gegenseitig.
Manche Veränderungen werden schnell spürbar. Andere benötigen Zeit. Und manchmal verläuft der Weg nicht gleichmäßig: Auf gute Tage können wieder schlechtere folgen, ohne dass damit alle bisherigen Fortschritte verloren sind.
Es geht auch nicht darum, aus der Regeneration ein neues Leistungsprojekt zu machen. Gerade Menschen, die lange über ihre Grenzen gegangen sind, versuchen manchmal, nun auch besonders konsequent und perfekt gesund zu werden.
Der Weg zurück beginnt jedoch häufig damit, dem eigenen Körper wieder zuzuhören. Seine Grenzen nicht als Gegner zu betrachten, sondern als wichtige Botschaften. Nach und nach kann daraus wieder ein tieferer Kontakt mit sich selbst und mit der eigenen inneren Quelle entstehen.
Für einen stark erschöpften Menschen ist dieser Zugang vielleicht zunächst kaum spürbar. Dann stehen erst einmal Sicherheit, Entlastung, Orientierung und kleine machbare Schritte im Vordergrund. Alles Weitere darf sich daraus entwickeln.
Erschöpfung ist kein persönliches Versagen
Viele erschöpfte Menschen haben lange versucht, weiterzumachen. Sie haben Verantwortung übernommen, ihre Aufgaben erfüllt und immer wieder die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt.
Wenn die Kraft schließlich nicht mehr reicht, kommen häufig Schuldgefühle hinzu. Manche schämen sich dafür, dass andere scheinbar mühelos bewältigen, was für sie selbst zu einer kaum überwindbaren Anstrengung geworden ist.
Doch Erschöpfung ist kein persönliches Versagen.
Sie darf ernst genommen und medizinisch abgeklärt werden. Wenn bisherige Untersuchungen keine Erklärung liefern, bedeutet das nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Es kann sinnvoll sein, sich an einen Therapeuten zu wenden, der sich mit anhaltender Erschöpfung, oxidativem Stress und möglichen Veränderungen der mitochondrialen Funktion beschäftigt.
Dabei sollte weder vorschnell eine rein körperliche noch eine ausschließlich psychische Erklärung festgelegt werden. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte, seine eigenen Belastungen und seine eigenen körperlichen Voraussetzungen mit.
Genau dort beginnt für mich eine ganzheitliche Begleitung.
Wenn du unter anhaltender Erschöpfung oder deutlich verminderter Belastbarkeit leidest und herausfinden möchtest, welche diagnostischen und naturheilkundlichen Schritte in deiner Situation sinnvoll sein könnten, kannst du dich hier gerne bei mir melden:
Von Herzen
Nathalie · Ninaân



