In vielen schamanischen Traditionen gibt es die Vorstellung von Krafttieren – tierischen Begleitern aus der geistigen Welt, die uns auf unserem Lebensweg unterstützen, uns ihre besonderen Qualitäten zur Verfügung stellen und uns in bestimmten Lebensphasen begleiten können.
Dabei wird häufig zwischen einem persönlichen Krafttier, das einen Menschen über lange Zeit oder sogar ein Leben lang begleitet, und Helfer-Krafttieren unterschieden, die sich für bestimmte Themen oder Lebensphasen zeigen.
Und dabei kann uns tatsächlich fast jedes Tier begegnen.
Vielleicht ist es ein Adler oder ein Condor. Vielleicht eine Katze, eine Spinne oder eine Libelle. Und manchmal ist es ein Tier, das uns auf den ersten Blick ziemlich unspektakulär erscheint – wie das Eichhörnchen aus dem eigenen Garten.
Gerade darin liegt für mich etwas Schönes: Nicht wir entscheiden mit unserem Verstand, welches Tier besonders eindrucksvoll oder „spirituell genug“ für uns wäre.
Wir dürfen schauen, wer sich zeigt.
Als sich mein eigenes Krafttier zeigte
Während meiner Ausbildung machte ich mich in einer Trance-Heilreise auf die Suche nach meinem persönlichen Krafttier.
Beim ersten Mal zeigte es sich mir allerdings noch nicht richtig.
Ich nahm immer wieder einen Schatten wahr, der um mich herum auftauchte – fast so, als würde er erst einmal mich und meine Reaktion beobachten. Zwischendurch sah ich Federn aufblitzen, aber mehr wollte sich mir zunächst nicht zeigen.
Beim zweiten Versuch war es anders.
Das Tier setzte sich auf meine linke Schulter und blickte mich mit seinen goldenen Augen ganz ruhig und wissend an. Seine Federn schimmerten goldbraun. Ich fühlte sofort eine tiefe Verbindung zu diesem wunderschönen Raubvogel.
Nur hatte ich keine Ahnung, welcher Raubvogel da eigentlich auf meiner Schulter saß. 😊
Also begann ich anschließend zu recherchieren.
Und fand meinen Rotmilan.
Das Faszinierende daran wurde mir eigentlich erst im Rückblick bewusst.
Rotmilane waren mir schon vorher immer wieder begegnet. Ich sah sie über mir kreisen – manchmal sogar dort, wo ich überhaupt nicht damit gerechnet hätte.
Und auch manches an mir selbst bekam plötzlich eine andere Bedeutung.
Wenn ich mit dem Fahrrad durch die Natur fahre, habe ich manchmal diesen wunderbaren Impuls, den Lenker loszulassen, die Arme auszubreiten und für einen Moment zu „fliegen“.
Ich liebe es, hoch oben auf einem Felsen oder Berg zu sitzen und einfach in die Weite zu schauen – auch wenn meine noch vorhandene Höhenangst dabei gelegentlich anderer Meinung ist. 😊
Ob das nun „wegen“ meines Rotmilans so ist?
Das muss ich gar nicht beantworten.
Ich finde es vielmehr spannend zu beobachten, welche Eigenschaften eines Tieres mich berühren und wo ich vielleicht etwas von mir selbst darin wiedererkenne.
Was kann uns ein Krafttier zeigen?
In der schamanischen Arbeit werden den unterschiedlichen Krafttieren bestimmte Eigenschaften und Qualitäten zugeschrieben.
Ein Krafttier kann dadurch auch zu einer Art Spiegel werden.
Welche Stärke verkörpert dieses Tier?
Was berührt mich daran?
Was fehlt mir vielleicht gerade in meinem Leben?
Und welche seiner Qualitäten könnte mich in einer bestimmten Situation unterstützen?
Der Adler beispielsweise wird in verschiedenen spirituellen Traditionen mit Weitblick und der Verbindung zum Göttlichen in Verbindung gebracht. Seine Perspektive kann sinnbildlich dafür stehen, sich über eine Situation zu erheben und sie aus einem größeren Blickwinkel zu betrachten.
Das Eichhörnchen wiederum wird unter anderem mit Lebendigkeit, Beweglichkeit, Vorsorge und dem Wechsel zwischen Festhalten und Loslassen verbunden.
Und manchmal begegnet uns ausgerechnet ein Krafttier, bei dem unsere erste Reaktion lautet:
Och nö. Nicht das. 😄
Mein Waschbär – den wollte ich zunächst überhaupt nicht
So ging es jedenfalls mir.
Während meiner Heilerausbildung unternahm ich eine schamanische Heilreise, weil ich für ein hartnäckiges persönliches Thema nach Unterstützung suchte.
Am Ende dieser Reise zeigte sich mir ein Waschbär.
Und er rieb sich auch noch auffällig die Hände.
Meine spontane Reaktion war ungefähr:
Oh nein. Bloß nicht dieser kleine Räuber!
Damit hätte die Sache für mich eigentlich erledigt sein können.
War sie aber nicht.
Bei einer weiteren Heilreise begegnete mir der Waschbär wieder.
Also begann ich irgendwann nachzulesen, welche symbolischen Bedeutungen ihm in der Krafttierarbeit zugeschrieben werden. Dabei stieß ich unter anderem auf Themen wie Dualität, Licht und Dunkelheit, die zwei Seiten einer Medaille und die Verbindung unterschiedlicher Welten.
Und plötzlich verstand ich, weshalb gerade dieses Tier für mein damaliges Thema interessant sein könnte.
Aus meinem anfänglichen „Den will ich nicht!“ wurde Neugier.
Und schließlich war ich froh, ihn für eine Zeit an meiner Seite zu wissen.
Vielleicht liegt gerade darin eine der schönsten Erfahrungen dieser Arbeit:
Nicht immer zeigt sich das, was wir erwartet oder uns ausgesucht hätten. Manchmal zeigt sich etwas, das uns auf eine ganz andere Spur bringt.
Vielleicht musst du dein Krafttier gar nicht suchen
Manchmal habe ich den Eindruck, dass bestimmte Tiere schon lange um uns herum sind, bevor wir ihnen überhaupt bewusst Aufmerksamkeit schenken.
Vielleicht begegnet dir ein bestimmtes Tier immer wieder.
Vielleicht taucht es in deinen Träumen auf.
Vielleicht berührt dich ein Tier auf eine Weise, die du gar nicht richtig erklären kannst.
Oder es erscheint während einer Meditation oder schamanischen Reise.
Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes Eichhörnchen im Garten eine Botschaft aus der geistigen Welt überbringt. 😉
Aber vielleicht lohnt es sich manchmal, nicht sofort darüber hinwegzugehen, sondern einen Moment innezuhalten und sich zu fragen:
Was berührt mich gerade an dieser Begegnung?
Deinem Krafttier begegnen
Wenn du dein persönliches Krafttier kennenlernen möchtest, kann eine geführte schamanische Reise eine Möglichkeit sein, dich auf diese Erfahrung einzulassen.
Dabei geht es für mich nicht darum, dir zu sagen, welches Tier zu dir gehört.
Ich begleite dich auf der Reise – aber die Begegnung ist deine.
Was sich zeigt, welche Bilder entstehen und welche Bedeutung sie für dich haben, darf sich aus deinem eigenen Erleben entwickeln.
Wenn du eine solche Reise kennenlernen möchtest, kannst du dich gerne hier melden.
Ich begleite diese Reisen sehr gerne – vielleicht auch deshalb, weil ich selbst immer wieder staune, was uns dort begegnen kann.
Von Herzen
Nathalie · Ninaân

