Wie kann ich etwas von mir in die Welt geben und sichtbar werden, ohne mich dabei im Außen zu verlieren? Diese Frage begleitet mich schon länger – und meine Antwort darauf hat viel mit einem ganz besonderen Raum zu tun: meiner Seelenoase.
Als ich im September 2023 mit meiner Praxis in die Spielberger Straße umzog, wollte ich dort mehr erschaffen als einfach nur neue Praxisräume. Ich wünschte mir einen Ort, an dem Menschen sich gesehen und begleitet fühlen können – auf Augenhöhe. So bekamen auch meine Räume eigene Namen und eine bewusste Gestaltung.
Mein Sprechzimmer nannte ich „Zwiegespräch“ und gab ihm ein warmes Sonnengelb. Der Raum, in dem meine Yogastunden, Meditationen und Heilreisen stattfinden, wurde zur „Seelenoase“ – ein geschützter Ort zum Ankommen, Zur-Ruhe-Kommen und Auftanken.
Seine Hauptfarbe wurde Petrol/Türkis – eine Farbe, die ich mit dem Thymuschakra verbinde: als Brücke zwischen unserer inneren Welt und dem, was durch uns Ausdruck finden möchte. An einer Wand entstand mein Lebensbaum. Eine weibliche Gestalt bildet seinen Stamm und seine Äste und verbindet für mich Lebenskraft, Wachstum und das lebensschaffende weibliche Element miteinander.
Damals wusste ich noch nicht, dass die Seelenoase eines Tages ihre Tür viel weiter öffnen würde.
Ein geschützter Raum – auch für mich
Ich begegne gerne Menschen. Gleichzeitig brauche ich Rückzug. Viele Reize, fremde Orte und zahlreiche Begegnungen können mich schnell überfluten. Mein Wesen ist eher introvertiert und ich mag es, mich anschließend wieder in meine sichere und geborgene „Höhle“ zurückziehen und auftanken zu können.
Gleichzeitig gibt es in mir etwas, das nach außen möchte. Wenn ich musiziere und singe, Yoga praktiziere oder Meditationen spreche, fühle ich mich mit mir verbunden. Es erfüllt mich, etwas davon mit anderen Menschen zu teilen.
Ich unterrichte, singe und begegne auch gerne Menschen außerhalb meiner Seelenoase. Aber ich spürte, dass mein Wirken nicht davon abhängig sein sollte, ständig unterwegs und im Außen präsent zu sein. Ich suchte nach einem Weg, beides miteinander zu verbinden: hinauszugehen, wenn es sich stimmig anfühlt – und gleichzeitig aus meinem geschützten Raum heraus etwas in die Welt geben zu können.
Die Seelenoase beginnt zu wachsen
Schon seit einigen Jahren nehme ich Meditationen und auch Bücher auf – zunächst für mich selbst, später auch für Patienten, Freunde und Bekannte. Mit Beginn meiner Yogakurse kamen aufgezeichnete Yogastunden hinzu.
Immer wieder ergab es sich, dass genau eine bestimmte Meditation oder Yogastunde zu einem Menschen passte, mit dem sich mein Weg gerade kreuzte. Also gab ich sie weiter.
Aus der Frage, wie Menschen auch aus der Ferne an meinen Yogastunden teilnehmen könnten, entstand zunächst mein YouTube-Kanal „Seelenoase Livestreams“.
Und irgendwann wurde mir bewusst: Vielleicht darf die Seelenoase noch weiter wachsen. Vielleicht muss sie gar nicht auf die vier Wände meines Praxisraumes begrenzt bleiben.
Mich zeigen, ohne mich zu verbiegen
In meiner spirituellen Arbeit begegnete mir immer wieder die Botschaft, dass ich meine Gaben mit der Welt teilen dürfe. Dass ich so weit sei.
Dabei begleitete mich ein Bild besonders:
Eine Blume sollte nicht ungesehen verdorren. Sie darf blühen und andere mit ihrer Blüte erfreuen.
Heute bedeutet das für mich nicht mehr, möglichst viele Menschen erreichen zu müssen. Es bedeutet vielmehr: mich nicht zu verstecken.
Meine Gaben zu teilen heißt für mich zunächst, sie zu leben. Zu singen. Zu musizieren. Meditationen zu sprechen. Yoga zu unterrichten.
Einfach zu machen. Ergebnisoffen.
Dabei schwinge ich mich auf etwas ein, das sich für mich natürlich und stimmig anfühlt. Vielleicht ist es meine eigene Schwingung, vielleicht manchmal auch etwas Größeres – wer weiß?
Andere Menschen können sich darauf einlassen, für einen Augenblick mitschwingen und vielleicht etwas davon mit auf ihren eigenen Weg nehmen. Was daraus entsteht, liegt nicht mehr in meiner Hand.
Fünf Menschen sind auch fünf Menschen
Das Ergebnis wirklich loszulassen, lerne ich allerdings noch. Natürlich schaue ich manchmal nach, wie viele Menschen ein neues Video angesehen haben.
Früher hätte mich eine kleine Zahl vielleicht beschäftigt. Da war noch stärker die Vorstellung in mir: Wenn ich etwas Schönes erschaffe, müsste es doch eigentlich die ganze Welt sehen.
Heute schaue ich hin, aber ich versuche, die Zahl nicht mehr zu bewerten.
Vielleicht hat unter fünf Menschen einer etwas gehört oder gespürt, das ihm in diesem Moment gutgetan hat. Vielleicht konnte jemand kurz innehalten, Kraft schöpfen oder sich ein wenig mehr mit sich selbst verbinden.
Dann durfte etwas weitergehen.
Aus meinem spirituellen Verständnis heraus glaube ich ohnehin, dass das, was wir in die Welt geben, nicht vollkommen isoliert bleibt. Eine Schwingung berührt die nächste – vielleicht auf eine Weise, deren Ausmaß wir gar nicht überblicken können.
Die Tür steht offen
So entstand schließlich auch mein öffentlicher YouTube-Kanal „Seelenoase“. Nicht, weil ich plötzlich möglichst sichtbar sein möchte, sondern weil ich einen Weg gefunden habe, sichtbar zu werden und dabei bei mir zu bleiben.
Ich kann in meinem geschützten Raum singen, musizieren, Yoga praktizieren und Meditationen aufnehmen – und gleichzeitig die Tür meiner Seelenoase öffnen.
Wer eintreten möchte, darf eintreten. Wer etwas darin findet, das ihn berührt, darf es mitnehmen.
Und ich darf anschließend die Tür wieder ein wenig schließen, mich in meine Höhle zurückziehen und auftanken.
Vielleicht bedeutet Sichtbarkeit für mich genau das:
Nicht möglichst laut zu rufen: „Seht mich!“ – sondern das, was in mir blühen möchte, nicht länger zu verstecken.
Und darauf zu vertrauen, dass auch eine Blume, die nur von wenigen Menschen gesehen wird, deshalb nicht weniger schön blüht.
Von Herzen
Nathalie · Ninaân

